Spagyrik

Das Wort Spagyrik hat seine Wurzeln in den griechischen Worten spaein (trennen/scheiden) und ageirein (vereinigen).

Der mittelalterliche Arzt, Alchemist und Philosoph Paracelsus (1493-1541) verwendete den Begriff Spagyrik für den Teil der Alchemie, der sich mit der Heilkunst, insbesondere der Herstellung von Arzneimitteln auf der Basis alchemistischer Prinzipien, beschäftigte.

In der Neuzeit setzten insbesondere Friedrich Zimpel (1801-1879), Graf Carl-Cesare Mattei (1809-1896), Theodor Krauß (1864-1924), Conrad Johann Glückselig (1864-1934), Alexander von Bernus (1880-1965), Walter Strathmeyer (1899-1969) sowie Dr. Peter Beyersdorff (1928-2009) die Tradition der spagyrischen Arzneibereitung fort.

Solve et coagula et habebis magisterium“ - Paracelsus
(übersetzt „Löse und binde, und du wirst die verborgene Heilkraft haben“)

Den Denkmodellen der Alchemie folgend werden in der Spagyrik pflanzliche, tierische und mineralische Ausgangssubstanzen bestimmten Verarbeitungsschritten unterzogen, mit dem Ziel, das Wertvolle vom Unreinen zu trennen und durch anschließendes Zusammenfügen der erhaltenen Substanzen, Arzneimittel von erhöhter Wirksamkeit zu gewinnen.

Für den Prozess des Trennens (spaein) verwendet die Spagyrik Verfahren wie
Auszüge bei verschiedenen Temperaturen (Mazerationen und Digestionen), Vergärungen mittels Hefen, Veraschungen (Calcinationen), einfache Destillationen sowie Mehrfachdestillationen über dem selben Stoff (Kohobationen).
Diese Verarbeitungsschritte bezeichnen die Spagyriker als "Läuterung", da sie nach ihren Vorstellungen der Erhöhung, Veredelung und Entgiftung der Ausgangssubstanzen dienen.

Im Anschluss daran werden die so gewonnenen Substanzen wieder zusammengeführt, der Prozess der sog. Konjugation. Nach den Konzepten der Spagyriker soll nun eine heilkräftigere, therapeutisch wirksamere Arznei entstanden sein.

Die Schulmedizin sieht die Spagyrik kritisch, der Gesetzgeber hat sie jedoch den Homöopathika und damit den anerkannten besonderen Therapieverfahren zugeordnet.

Die zugrundeliegenden Prinzipien der Alchemie

Die Alchemie basiert auf der Vorstellung, dass Pflanzen, Tiere und Menschen Ausdruck einer allumfassenden, unsichtbaren Lebenskraft sind.

Diese Lebenskraft lässt sich in drei Wirkkräfte aufgliedern, die Prinzipien Sal, Sulfur und Mercurius.

Sal steht für das materialisierende, erdhafte und Sulfur für das beseelende, feurige Prinzip.

Mercurius symbolisiert das belebende, Sal und Sulfur verbindende, geistige Prinzip.

Paracelsus verdeutlichte die drei Prinzipien an einem brennenden Holzstück, die Flamme entspricht Sulfur, der Rauch Mercurius und die Asche Sal.

Beim Menschen finden sich die Prinzipien als Körper (Sal) , Geist (Mercurius) und Seele (Sulfur).

In der Pflanze repräsentiert die Wurzel Sal, die Stiele Mercurius und die Blätter und Blüten Sulfur.

Wird die Pflanze zu einer spagyrischen Arznei verarbeitet bzw. im Sinne der Alchemie transformiert, findet sich das Prinzip Sal als Mineralien im veraschten Pflanzenrest, Sulfur im destillierten ätherischen Öl und Mercurius in dem alkoholischen Pflanzenauszug.